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Der Schutzengel
Wenn ein unerfahrener Hundehalter wie ich und
ein unbezähmbares Hundewelpen
wie Nicki zusammentreffen, ist eines unerlässlich :
ein stets wachsamer Schutzengel
Mittlerweile bin ich sogar der Überzeugung, dass der "Liebe Gott" von
Euren
braven Hunden, liebe Leserinnen und Leser, einige Schutzengel abgezogen
hat
um für uns eine Schutztruppe zu bilden, die dann in Schichtarbeit rund um
die
Uhr tätig ist.

1. Episode: Die Besteigung der Eiger - Nordwand
In der ersten Woche unserer trauten Zweisamkeit standen für das
unternehmungs-
lustige Sheltiewelpen täglich Erkundungstouren durch die Wohnung auf dem
Pro-
gramm. Unter anderem plante sie, ohne mich entsprechend zu informieren,
ein
Erklimmen der Fensterbank. Ganz im Stile eines Reinhold Messner sollte die
Route über das Ledersofa bis hinauf auf den Gipfel führen, durchaus
vergleichbar
mit der Erstbesteigung der Eiger-Nordwand. Das Sofa wurde unter Einsatz
aller
Energiereserven (hier machte sich das teure Welpenfutter von Bosch denn
doch echt bezahlt) erobert. Jetzt Anlauf nehmen und einen tollkühnen
Sprung
wagen, schließlich lockte eine wunderbare Aussicht auf alle am Haus
vorbei-
spazierenden Zwei- und vor allem Vierbeiner. Bedauerlicherweise hat das
Timing eines 9-Wochen jungen Welpen noch nicht die 100prozentige Berg-
steigerqualität und so erreichten lediglich die Krallen der Vorderpfötchen
die
Kante der Fensterbank. Just in diesem Moment wurde ich aufmerksam, aber
die Lawine war bereits ins Rollen gebracht. Jetzt rächte es sich, dass die
junge Alpinistin auf Seilschaften, Netz und doppelten Boden verzichtet
hatte.
Im freien Fall sauste die Fellkugel gegen die Sofalehne, dann gegen den
Heiz-
körper und plumpste schließlich auf den Boden. Während mir das Herz noch
stillstand, rappelte sich Nicki bereits wieder auf und muss wohl vom
Fernsehen
"SAT 1 Ran Bundesliga" (lesen kann sie ja noch nicht) Olli Kahn's
Lebensmotto
aufgeschnappt haben "Mund abwischen und weitermachen !"
Meine Konsequenzen aus diesem Lawinenunglück" waren schnell gezogen.
Zum einen dem Schutzengel herzlich zu danken und zum zweiten eine
Brücke
zwischen Ledersofa und Fensterbank zu errichten. Heute kann ich
feststellen,
dass dieser strategisch ideale Aussichtsplatz zu den absoluten Lieblings-
standorten meiner Mitbewohnerin zählt und unter Beachtung aller Unfallver-
hütungsvorschriften "TÜV-geprüft" gefahrlos zu erreichen ist.

2. Episode: Tour de France
Möchte man einem elf Wochen jungen Welpen die reizvollen
Landschaften
außerhalb der Ortsgrenzen zeigen und dabei umweltbewußt auf das Auto
verzichten, bietet sich das Fahrrad als gute Alternative an. Geschwind
wurde ein Fahrradkörbchen vor die Lenkstange montiert und schwups rein
mit der Süssen. Die Tour de France startet immer mit einem kurzen Prolog
und so begannen auch wir erstmal ganz piano. Zur Eingewöhnung schob
ich das Fahrrad zunächst und konnte erfreut feststellen, dass die
neugierige
Sheltiemaus den ungewohnten Ausblick sichtlich genoss; somit alles okay.
Herrchen rauf auf den Sattel und los ging es mit unserer ersten
Tour-Etappe.
Die Springmaus hatte ich stets im Auge, sodass da doch eigentlich nichts
böses passieren konnte.......In dieser Phase der Euphorie hatte ich jedoch
nicht daran gedacht, dass die Tour de France auch als Tour der Leiden be-
zeichnet wird.
Nach nur ca. 100 zurückgelegten Metern stellte sich Nicki die Frage:
" Können Shelties fliegen ? "
und startete direkt einen Selbstversuch. Das Thema "Erdanziehungskraft"
war leider in der Welpenschule noch nicht unterrichtet worden, und
so
hüpfte die Wissbegierige aus dem Körbchen. Geistesgegenwärtig riss ich
die Hände vom Lenker und instinktiv fasste ich in Richtung Flugobjekt.
Es gelang mir sogar das freischwebende Welpen halbwegs abzufangen,
doch damit war ein Abstieg nach vorne über die Lenkstange verbunden.
Hund und Herrchen knallten auf die knüppelharte Asphaltstraße.
Herrchen: Rippen geprellt, Hautabschürfungen an den Händen;
Fahrrad : Rahmen verzogen
Aber was war meiner Reisebegleiterin zugestossen ? Mein Gott, sie hat
doch nur ganz zarte zerbrechliche Hüftgelenke........
Der stets wachsame Schutzengel hatte keine Mittagspause eingelegt,
sondern war wieder zur Stelle. Er sorgte dafür, dass Nicki nochmal mit
dem Schrecken davon gekommen war. Außerdem hatte der Schutzengel
vorausschauend auch den Verkehr weiträumig umgeleitet, sodass weder
von vorn noch von hinten Gefahr durch PKW's drohte.
Das gelbe Trikot für die besten Radler konnten wir uns an diesem Tage
allerdings abschminken.
Mittlerweile kenne ich den Bewegungsablauf von meiner Radlerin so genau
um rechtzeitig zu erkennen, wann Gefahr im Verzuge ist. Meine schützende
Hand drückt die Übermütige dann sofort ganz tief ins Fahrradkörbchen.

3. Episode: TT tut weh
Das Radfahren war vorerst out und die schicke kleine Hundelady durfte
sich auf
Ausflugsfahrten im Audi TT freuen. Nun ist der TT kein Combi und die
Auswahl-
möglichkeiten einen geeigneten Platz für Nicki zu finden sind knapp
bemessen.
Die Hundeexperten werden sich die Haare raufen, aber Nicki durfte auf dem
Bei-
fahrersitz Platz nehmen. Weder Transportbox noch Hundegurt waren nach
meinem
Geschmack und mit einer Mischung aus Naivität, Leichtsinn und Dummheit
meinte
ich, dass mit einer vorsichtigen Fahrweise kein Grund zur Besorgnis
bestehen wür-
de..........
Allerdings war von "Platz" bei Nicki zunächst keine Rede. Es war viel zu
spannend
die schöne Aussicht zu geniessen. Die erfahrenen autofahrenden
Hundehalter(innen)
unter Euch brauchen jetzt eigentlich nicht mehr weiterzulesen, denn ihr
ahnt sicher
bereits, was zwangsläufig passieren musste....
Ohne vorher den Blinker zu setzen, bremste plötzlich ein vorausfahrender
PKW um
rechts abzubiegen. Mein ebenfalls abruptes Bremsmanöver ließ Nicki nach
vorn
gegen das Handschuhfach knallen und im freien Fall im Fußraum auf der
Beifahrer-
seite landen. Der Schrecken stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und
der
Blick sollte wohl heißen: "Du Tierquäler !"
Schutzengel sei Dank
Der Star dieses Homepage hatte auch diesen Unfall ohne Blessuren
überstanden.
Den Fußraum habe ich danach zugepolstert und auch alles rund um den
Beifahrer-
sitz "in Watte gepackt". Toi, toi, toi, seitdem ist auch kein weiterer
Zwischenfall im
Auto passiert. Meist schläft das Mäuschen nach wenigen Kilometern ein und
träumt
von aufregenden Ausflugszielen und über uns schwebt.....der stets
wachsame
Schutzengel !

4. Episode : Ruten sind zum Wedeln da ....
Während eines Spazierganges auf der Bersenbrücker Flaniermeile "
Lindenstraße "
(jawohl sowas haben wir auch) begeneten wir einen Junghund, den Nicki
bereits in
der Welpengruppe kennengelernt hatte. Die Hundehalter waren sich schnell
einig :
" Leinen los ! ". Zur Sicherheit verzogen wir uns in einen ruhigen
Nebenweg. Es
machte Spass die jungen Wilden beim Spielen zu beobachten.
Vorsicht PKW ! Ein altes Mercedes-Modell bog relativ langsam um die Ecke
und
hielt rechtzeitig an. Nicki war meinem Ruf "Platz" gefolgt und kauerte am
Hinterrad
des Fahrzeuges. Ruhig schritt ich auf Nicki zu um sie aus der Gefahrenzone
zu
bringen. Offenbar waren wir in den toten Winkel des Fahrers geraten, denn
plötzlich
fuhr er weiter.........und mit dem Hinterreifen über Nicki's Rute (eines
der wenigen
Körperteile, die bislang in ihrem jungen Leben noch völlig unversehrt
geblieben waren).
Nein, nein, nein.....das durfte doch alles nicht wahr sein !
Das vermeintliche Unfallopfer hatte die Rute nun fest eingeklemmt und
hockte
regungslos an Ort und Stelle. Im Zeitlupentempo erhob sich dann die Rute
und ich
betastete ganz vorsichtig das lädierte Körperteil. Zu meinem Erstaunen
jaulte Nicki
nicht vor Schmerzen, sondern begann bereits zögerlich wieder mit der Rute
zu wedeln.
Offensichtlich hatte unser stets wachsamer Schutzengel die Weichen
so gestellt, das
nur das weiche Fellende der Rute überrollt wurde. Unterdessen animierten
sich die
Vierbeiner bereits wieder zum Weiterspielen. Uns Hundehaltern war aber die
gute
Laune dazu vergangen und so leinten wir unsere Lieblinge ganz schnell zur
Sicher-
heit an.

5. Episode: Kinder, Kinder,........
Vor dem Gasthof Mölders hielten Nicki und ihr Freund Anton (siehe
Rubrik Freunde)
mal wieder eine ausgiebige Spielstunde ab. Das Ganze war so intensiv, dass
ich
davon ausging, nichts und niemand könne diese beiden Wirbelwinde stören.
Plötzlich kamen zwei kleine Kinder mit fröhlichen lauten Gesängen auf
ihren Fahr-
räden auf das Gelände gesaust. Nicki war davon völlig aufgeschreckt und
rannte wie
von der Tarantel gestochen mitten auf die Straße. Quietschen,
Vollbremsung........
ein PKW-Fahrer hatte fantastisch reagiert und und sein Fahrzeug
rechtzeitig zum
Halten gebracht. An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an den
Fahrer
und an unseren Schutzengel.
Na was macht ihr denn da ? Dazu seid ihr doch
noch
viel zu jung !!!!!!!
Mein zweiter Hund (zum Thema Zweithund werde
ich demnächst noch ausführlicher
eingehen) wird von diesen Erfahrungen profitieren, denn ich habe aus
meinen Fehlern
gelernt und weiß jetzt auch besser mit den Flausen kleiner Welpen
umzugehen. Der
stets wachsame Schutzengel hat mittlerweile Gelegenheit seine
Überstunden abzu-
feiern. Es wäre schön, wenn diese Erfahrungsberichte auch für andere
Hundefreunde
hilfreich sein können um ihren Welpen schmerzhafte Erfahrungen zu
ersparen.......
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